"The Mule"
Filmbewertung: ausgezeichnet
Starttermin: 31.01.2019
Regisseur: Clint Eastwood
Schauspieler: Bradley Cooper, Clint Eastwood, Manny Montana
Entstehungszeitraum: 2018
Land: USA
Freigabealter: 16
Verleih: Warner Bros. Pictures
Laufzeit: 103 Min.
Im Lichte des Verbrechens
Man sollte eben nie nie sagen. Gut zehn Jahre ist es her, dass Western- und Thriller-Ikone Clint Eastwood seinen Abschied von der Schauspielerei verkündete. Das war nach seinem fulminanten Auftritt in "Gran Torino" (2008). Vier Jahre später kehrte er jedoch auf die Leinwand zurück, um "Back in the Game", dem Erstling seines langjährigen Mitarbeiters Robert Lorenz, über die Erfolgsschwelle zu helfen. Und bei seiner Regie-Arbeit "American Sniper" (2014) schlich Eastwood sich als Kirchgänger ins Bild.

Der Hang zum Rückfall könnte daran liegen, dass sich der vierfache Oscar-Preisträger gerade für das fortgeschrittene Alter attraktive Rollen schafft und diese ausfüllt. Im Senioren-Thriller "The Mule" spielt der 88-jährige Eastwood, der den Film auch inszenierte, nun Earl Stone, einen Drogenkurier eines mexikanischen Kartells.

Fahrer gesucht!

Am Straßenrand, mitten in der Einöde, steht eine schwarze Mittelklasse-Familie. Ihr Auto hat einen Platten, und der 90-jährige Earl Stone hält an, um zu helfen, reißt aber auch rassistische Sprüche. Kein Wunder, dass seine Hilfe abgelehnt wird. Die beiden ambitionierten jungen Männer vom mexikanischen Drogenkartell freilich, die Earl hinterherfahren, um ihn zu überwachen, kochen vor Wut. Ihr bester Kurier hält sich mal wieder nicht an die Regeln - mit Taschen voller Rauschgift in seinem Van. Earl aber, der seine Bewacher kennt, scheint die Situation zu genießen.

Dabei ist der neue Job die Rettung für ihn. Die kleine Gärtnerei des Korea-Veteranen ist pleitegegangen, sein Haus soll zwangsvollstreckt werden. Zu seiner Familie kann er nicht mehr, die hat er zu lange vernachlässigt. Ihm bleiben nur ein alter Pick-up und ein paar Sachen auf der Ladefläche. Als Earl jemandem erzählt, dass er mit seinem Wagen noch nie einen Unfall hatte, bekommt er eine Telefonnummer zugesteckt: Da suchen Leute nach zuverlässigen Fahrern ...

Als solcher ist er bald sehr geschätzt bei seinem neuen Arbeitgeber, einem mexikanischen Kartell. 'El Tata', wie sie ihn nennen, transportiert nun Kokain im Wert von vielen Millionen Dollar quer durch die USA. Der Job ist nicht ungefährlich und widerspricht Earls moralischen Vorstellungen. Aber das viele Geld im Handschuhfach nach jeder Lieferung verschafft ihm wieder Ansehen bei seiner Familie. Personelle Veränderungen an der Kartellspitze und der clevere Drogenfahnder Bates (Bradley Cooper) kommen da äußerst ungelegen.

Paradiesische Landschaften und grausame Morde

Für "The Mule" arbeitete Eastwood das erste Mal seit 18 Jahren nicht mit Stamm-Kameramann Tom Stern zusammen, sondern mit dessen kanadischem Kollegen Yves Bélanger ("Der große Trip - Wild", "Dallas Buyers Club"). Entstanden ist ein sehr spezieller Look, der viel mit der Ausgewogenheit des Films zu tun hat. Die Vorgeschichte von Earls krimineller Karriere wird in dunklen, schattigen Bildern erzählt. Dagegen finden die haarsträubendsten Begebenheiten im hellen Sonnenschein statt. Nachdenkliche Passagen erhalten eine düstere Stimmung. Im schönen Tageslicht hingegen treten Widersprüche und Brutalität besonders deutlich hervor: Rassismus von Polizisten und "Normalbürgern", paradiesische Landschaften und grausame Morde, wirtschaftliche Verwerfungen und Country-Music-Nostalgie.

Und in diesem Licht lässt Eastwood die Charaktermaske seines Anti-Helden porös werden. Dessen Manieren und sein Interesse am großen Geld entpuppen sich als Mittel zur Befriedigung von Geltungssucht. Das mag ein individuelles Problem sein, aber mit der eigenen Lebensbilanz und dem Verhältnis zu Ex-Frau (Dianne Wiest) und Tochter zu hadern, dürfte doch sehr weit verbreitet sein.

Dass sich Eastwood rund zehn Jahre nach "Gran Torino" entschieden hat, wieder sowohl vor als auch hinter der Kamera zu stehen, macht "The Mule" zu einem doppelt guten Ereignis -und es macht Lust auf mehr von dieser Kombination.

Von Andreas Günther

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