"The Dead Don't Die"
Filmbewertung: ausgezeichnet
Starttermin: 13.06.2019
Regisseur: Jim Jarmusch
Schauspieler: Bill Murray, Adam Driver, Selena Gomez
Entstehungszeitraum: 2019
Land: USA
Freigabealter: 16
Verleih: Universal
Laufzeit: 105 Min.
Die Lebenden sind die wahren Toten
Es ist nach acht Uhr abends, die Sonne ist noch immer nicht untergegangen. Sheriff Cliff Robertson (Bill Murray) und sein Kollege Ronnie Peterson (Adam Driver) suchen in aller Ruhe im Wald nach einem Einsiedler. Dass das Ende der Welt kurz bevorsteht, wissen die beiden noch nicht. Jim Jarmuschs Zombiefilm "The Dead Don't Die" beginnt, wie es so viele Werke des außergewöhnlichen Filmemachers ("Down By Law", "Paterson") tun: ganz und gar unaufgeregt. Hier aber schleicht sich gleichzeitig eine düstere Ungewissheit ins Geschehen.

Es dauert, bis sich die Zombies aus ihren Gräbern erheben. Eine ungewöhnliche Erklärung hat Jarmusch dafür parat. Das Fracking an den Polarkappen hat die Erdachse leicht verschoben, was zu erstaunlichen Nebenwirkungen führt: dass es später dunkel wird, dass die Haus- und Hoftiere sich verstecken und dass die Toten sich eben wieder erheben. Das tun sie wohl überall auf der Welt, das Zentrum des Films ist jedoch Centerville, "ein wirklich netter Ort", wie auf einem Schild zu lesen steht.

Jarmusch lässt sich Zeit, seine Figuren einzuführen. Den Sheriff und seinen Kollegen, die von Chloë Sevigny gespielte Polizistin Mindy, den rassistischen Farmer Miller (Steve Buscemi), den Tankwart Bobby (Caleb Landry Jones), die schottische Leichenbestatterin Zelda (Tilda Swinton) und den Eremiten Bob (Tom Waits), um nur ein paar zu nennen. Sie alle haben Persönlichkeit, sind echte Menschen in einer echten Stadt, aber in einem Film, der sich selbst nicht ernst nimmt und die Barriere zwischen Fiktion und Realität nur hin und wieder akzeptiert. Manchen seiner Figuren erlaubt Jarmusch zu wissen, dass sie Protagonisten in einem Film sind, andere spielen streng ihre Rolle, wieder andere sind absolute Fremdkörper in dieser amerikanischen Kleinstadt. Das gilt vor allem für Swintons schwertschwingende Bestatterin, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Ein Klischee, mit dem Jarmusch am Ende sehr gekonnt spielt.

Amerikanischer Kleinstadtmief

Überhaupt ist "The Dead Don't Die" sehr verspielt, denn Jarmusch kennt die Konventionen des Zombiefilms sehr genau. Er zitiert mehr als einmal George A. Romeros Werk, und das nicht nur mit dem Pontiac, den Selena Gomez und ihre Freunde fahren und der dem Wagen gleicht, in dem sich Barbara und ihr Bruder einst in "Night of the Living Dead" auf den Weg zum Friedhof machten. Immer wieder inszeniert Jarmusch genretypische Szenen, die bei ihm dann aber doch ganz anders ausfallen, als man es erwarten würde. Sie sind eben typisch Jarmusch, da sie locker und beiläufig erzählt werden, während die Figuren dem irrsinnigen Treiben um sie herum trocken und lakonisch begegnen. Das gilt vor allem für Bill Murray, der zurückhaltend und gleichgültig auf alles reagiert, aber auch für Tom Waits, der das Geschehen als Erzähler begleitet.

Der Zombiefilm à la Romero enthielt immer auch ein wenig Sozialkritik. Dieser Tradition fühlt sich auch Jarmusch verbunden, und das nicht nur, indem er einerseits Fracking, andererseits die Lügen der amerikanischen Regierung anprangert. Auch setzt er die Untoten mit den Lebenden gleich. Denn im Grunde unterscheidet beide nicht viel. Die Zombies können sprechen, wenn auch nur ein paar Worte und nur über das, was ihnen im Leben am wichtigsten war. Die Lebenden wiederum sind die eigentlichen wandelnden Toten, da der Konsumrausch sie längst innerlich hat absterben lassen. Auch das kommt in diesem Film zum Tragen.

In erster Linie soll "The Dead Don't Die" aber unterhalten. Das wiederum gelingt ihm mit seiner ruhig-stimmigen Erzählweise sehr gut, weil er Genreformeln aufgreift, auch nutzt, sie aber zugleich satirisch überhöht. Vor sechs Jahren lieferte Jim Jarmusch mit dem Vampirfilm "Only Lovers Left Alive" so etwas wie seine Antwort auf "Twilight" ab. Mit "The Dead Don't Die" findet er nun einen guten Schlusspunkt für den Zombiefilm, für ein Genre, das eigentlich längst auserzählt ist. Was bleibt, ist das Abgleiten in die Absurdität amerikanischen Kleinstadtmiefs.

Von Peter Osteried

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