Josef Hader
will in "Arthur & Claire" (Start: 8. März) sein Leben hinter sich lassen
Humor als Strategie
Josef Hader ist schwarz-züngiger Kabarettist und steht seit vielen Jahren auf der Bühne, so ziemlich jeden wichtigen Kleinkunstpreis hat er bereits gewonnen. Doch auch auf der Leinwand fühlt er sich wohl. Bereits 1993 konnte man ihn im Film "Indien", für den er am Drehbuch mitschrieb, sehen. Der Kabarettist, Autor und Schauspieler konzentriert sich auf wenige Projekte in der Film- und Fernsehlandschaft und sucht sich gezielt Herzensangelegenheiten heraus. Dazu zählt auch "Arthur & Claire" (Start: 8. März). Darin verkörpert er nicht nur den knurrigen Arthur, sondern wirkte erneut am Drehbuch mit.

nordbuzz: Wieso haben Sie sich gerade für die Adaption dieses Bühnenstücks von Stefan Vögel beziehungsweise diese Thematik entschieden?

Josef Hader: Das habe ich gar nicht. Regisseur Miguel Alexandre hat die Adaption gemacht. Erst dann sind sein Produzent und er an mich herangetreten, ob ich die Rolle spielen und vorher an den Dialogen arbeiten möchte.

nordbuzz: Und was hat Sie dann schlussendlich überzeugt?

Hader: Mir hat die Geschichte so gut gefallen. Zwei so unterschiedliche Menschen in einer Nacht in einer Stadt. Ich wollte wissen, was dabei herauskommt.

nordbuzz: Glauben Sie denn, dass es wirklich möglich ist, dass eine einzige Nacht so eine Entscheidung, wie die beiden für sich treffen, ändern kann?

Hader: Ich denke schon. Ich glaube nicht, dass wir ein Märchen erzählen. Sondern eine sehr besondere Geschichte, wie man sie im Leben vielleicht nur einmal erlebt. Aber solche Dinge passieren.

nordbuzz: Auch Ihnen?

Hader: Ja, auch mir! Mir ist auch schon einmal ein besonderer Mensch begegnet, der meine Einstellung zum Leben geändert hat. Ihnen wahrscheinlich auch. Das Schwierige an solchen besonderen Geschichten ist, dass man sie glaubwürdig erzählen muss.

nordbuzz: Haben Sie denn im Vorfeld auch mit Menschen gesprochen, die sich für den Schritt der aktiven Sterbehilfe selbst entschieden haben oder mit Ärzten, die sich solcher Aufgaben annehmen?

Hader: Ich habe jemanden gekannt, der diese Entscheidung getroffen hat. Und ich habe mir überlegt, wie das wäre, wenn es mich betrifft.

nordbuzz: Wie würden Sie denn reagieren?

Hader: Ich würde wahrscheinlich zunächst einige Palliativmediziner aufsuchen und schauen, was sie mir anbieten können.

nordbuzz: Und was, wenn das nicht reicht?

Hader: Dann würde ich mich wahrscheinlich auch für diesen Schritt entscheiden. Aber das sagt sich leicht - wie es dann wirklich wäre, kann ich nicht abschätzen.

nordbuzz: Wie stehen Sie denn generell zum Thema aktive Sterbehilfe - sie ist ja weder in Österreich noch in Deutschland erlaubt.

Hader: Ich denke, dass Menschen, die diese persönliche Entscheidung treffen, auch das Recht dazu haben sollten.

nordbuzz: Stellen Sie sich vor, sie hätten nur noch zwei bis drei Tage zu leben - was würden Sie auf jeden Fall jetzt noch machen?

Hader: Das ist eine sehr theoretische Frage, denn kaum ein Mensch kennt wirklich seinen konkreten Sterbetag. Gott sei Dank, weil ich wüsste nicht, was ich tun würde, wenn ich meinen Tod im Terminkalender stehen hätte. Wahrscheinlich wäre ich nur verzweifelt und hätte das Gefühl, die Sekunden rinnen davon.

nordbuzz: Arthur hat ja im Film zwei Listen angefertigt mit Dingen, die er vermissen wird, und solchen, die ihm auf keinen Fall fehlen würden. Was würden Sie am wenigsten vermissen?

Hader: Wahrscheinlich das Tagesgeschäft - also die täglichen Dinge, die man tun muss, die aber nicht so richtig Spaß machen.

nordbuzz: Aber gibt es denn etwas, was sie wirklich hassen und direkt ganz oben auf die Liste setzen würden?

Hader: Nein, es gibt nichts, was ich so hasse, dass ich mich darüber freuen würde, es nicht mehr zu erleben. Ich glaube, wenn man sterben muss, klammert man sich ans Leben und würde alles vermissen, sogar die unangenehmen Dinge.

nordbuzz: Das unterscheidet Sie dann doch von Arthur.

Hader: Ja, auf jeden Fall. Ich hasse nicht so inbrünstig.

nordbuzz: Miguel Alexandre und Sie sind das Thema mit Humor angegangen. Genau so, wie es auch im Bühnenstück der Fall ist. Hilft Humor in so einer Situation?

Hader: Humor ist sicher eine Strategie, wie man mit schwierigen Lebenslagen umgehen kann. Aber ich bin vorsichtig damit, das zu beurteilen. Da geht es um extreme Situationen, die kenn' ich ja Gott sei Dank nicht. Ich denke, dass jemand, der beispielsweise Selbstmord begeht, am Ende seines Humors angekommen sein muss.

nordbuzz: Was wünschen Sie sich denn, dass der Zuschauer aus dem Film für sich mitnimmt.

Hader: So eine Empfehlung habe ich noch nie gegeben. Ich möchte niemanden bevormunden.

nordbuzz: Aber Sie sind ja auch Bote einer Geschichte.

Hader: Ja, für die Geschichte gern, aber nicht für eine Botschaft, die soll sich jeder selber suchen. Wenn man als Künstler eine gewisse Intention hat, sollte man nicht darüber reden. Filme, aber auch Romane und Theaterstücke, die eine deutliche Botschaft haben, sind meistens nicht sehr gut.

nordbuzz: Aber denken Sie denn, dass der Film die Diskussion über die aktive Sterbehilfe wieder ein bisschen antreiben wird?

Hader: Realistisch betrachtet glaube ich nicht, dass "Arthur & Claire" der große Blockbuster in Deutschland wird, der das Thema stark in den Fokus rückt. Vor allem geht's in unserem Film ja gar nicht um die Frage der Sterbehilfe, auch wenn sich die Medien gerne auf das Thema stürzen. Es geht vielmehr um einen nicht mehr jungen Mann, der bald sterben muss. Und der trifft eine junge Frau, die sterben will, aber nicht müsste. Daraus bezieht der Film seine Dynamik.

nordbuzz: Somit geht es vor allem um die persönlichen Beziehungen der Protagonisten und nicht um die Themen Sterbehilfe und Selbstmord?

Hader: Würden Sie sich denn gerne einen Spielfilm anschauen, in dem es nicht um Menschen geht, sondern um Themen? Da würden Sie sehr schnell aus dem Kino hinauslaufen.

Von Sarah Schindler

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