Veronica Ferres
spielt in der SAT.1-Komödie "Liebe auf den ersten Trick" (Dienstag, 20. März, 20.15 Uhr)
"Die Männer kommen damit nicht mehr davon"
Lange schien man in Deutschland als weiblicher Promi geadelt, sobald vor den Nachnamen ein "die" gesetzt wurde. Heute gilt jener Brauch als ebenso altmodisch wie ironisiert. Die wohl letzte Schauspielerin, die man ernsthaft damit bedachte, war "die Ferres". In vielem verkörpert das einstige deutsche "Superweib" einen klassischen Typus: sehr weiblich, sozial engagiert, Society-Münchnerin - mäandernd zwischen Kino-Thrillern von Werner Herzog und TV-Komödien wie ihrem aktuellen SAT.1-Film "Liebe auf den ersten Trick" (Dienstag, 20. März, 20.15 Uhr), in dem Veronica Ferres an der Seite von Dieter Hallervorden eine Heiratsschwindlerin spielt. Inzwischen leider ebenso klassisch: Auch die 52-Jährige berichtete kürzlich ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen in der Branche. Ein Gespräch über MeToo und die Folgen, Frauenbilder - und Romantik.

nordbuzz: In Ihrem neuen Film geht es auch um "hoffnungslose Romantiker". Sind Sie Romantikerin, vielleicht sogar eine hoffnungslose?

Veronica Ferres: Ich mag Romantik gern. Aber um ehrlich zu sein, bin ich da nicht die Kreativste. Ich lass mich gern überraschen.

nordbuzz: Sie werden also lieber umgarnt?

Ferres: Das kann man so sagen. Ich liebe beispielsweise Männer mit guten Manieren, auch wenn das manche für altmodisch halten. Wenn sie einem die Tür aufhalten. Oder wenn sie am Tisch aufstehen und den Stuhl zurückrutschen, wenn man ankommt. Das sind für mich Zeichen von Respekt.

nordbuzz: Sind es nicht auch Rollenmuster?

Ferres: Ich mache das umgekehrt genauso. Mein Vater meinte einmal zu meinem Bruder: Wenn du eine Frau im Auto abholst und ihr die Tür aufhältst, und sie sich dann, wenn du dann um das Auto herumläufst, nicht herüberlehnt, um dir ebenfalls die Tür von innen aufzuhalten - dann ist sie die Falsche.

nordbuzz: Gerade heute, in Zeiten der MeToo-Debatte, werden auch derlei kleine Gesten kritisch hinterfragt.

Ferres: Die MeToo-Debatte ist wahnsinnig wichtig, um eine junge Generation von Mädchen davor zu schützen, was uns alles passiert ist. Von dieser Debatte dürfen wir uns aber nicht so sehr beeinflussen lassen, dass wir nicht mehr gerne Frau und die Männer nicht mehr gerne Mann sind. Das wäre fatal. Aber jede Form des Machtmissbrauchs, der Ausbeutung, der Körperverletzung, der Vergewaltigung, der Erniedrigung von anderen ist einfach verwerflich und muss verfolgt werden. Wenn möglich, auch strafrechtlich.

nordbuzz: Sie erwähnten den Unterschied zwischen den Generationen. Welche Erfahrung machten Sie denn?

Ferres: Meine Generation hat erlebt, dass ein Klavierlehrer die Hand aufs Knie legte, und man darüber irritiert war, aber dachte, darüber kann man nicht reden. Oder der Reitlehrer, der unters T-Shirt gegriffen hat, um zu schauen, ob auch die Schulterblätter hinten richtig zusammenkommen. Die heutige Generation ist deshalb geschützter, weil die Dinge sofort ernstgenommen werden. Kein Mann kann sich mehr erlauben, was bei uns früher geduldet wurde.

nordbuzz: Glauben Sie, dass sich auch in der Filmbranche dahingehend mehr getan hat?

Ferres: Durch die MeToo-Debatte hat sich bereits einiges verändert. Vielen ist einfach nicht mehr möglich, was früher möglich war. Die Männer kommen damit nicht mehr davon. Das ist großartig. Es sollte aber nicht das Selbstverständnis von Mann und Frau angreifen; vor allem nicht das Miteinander- und Hand-in-Hand-Arbeiten.

nordbuzz: Bedarf es Ihrer Meinung nach auch inhaltlicher Veränderungen - gerade in Sachen romantischer Komödien? Wie etwa in Ihrem neuen Film "Liebe auf den ersten Trick" ...

Ferres: Rein romantische Komödien wären heute langweilig. Die Figuren im Film sind ja nur auf ihren eigenen Vorteil aus, sie lügen und betrügen. Damit geht auch eine Verachtung für das andere Geschlecht einher, die man nur haben kann, wenn man sich selbst verachtet. Diese Abgründigkeit ist viel spannender als nur eine leichte Heiratsschwindlerkomödie.

nordbuzz: Ist so eine Ambivalenz weiblicher Figuren im Zuge von MeToo auch wichtiger geworden?

Ferres: Ja, es geht auch um andere Filme und andere Frauenbilder. Eine Frau, die sich nur von der Liebe betören lässt und dahinschmilzt, ist gestrig. Das interessiert nicht mehr. Eine Frau, die zu einer eiskalten Geschäftsfrau geworden ist und die Gefühle anderer zu ihrem Vorteil benutzt, ist viel schillernder - und kann Debatten auslösen. Spannend als Charaktere sind doch die Ohnmacht, die Verletzlichkeit, die Ungleichbehandlung von Frauen.

nordbuzz: Vor allem in den USA setzt man dem alten Frauenbild aber auch starke Heldinnen entgegen.

Ferres: Das erlebte ich bei der Premiere von "Wonder Woman" in Amerika. Da sind die Frauen im Publikum aufgesprungen, haben applaudiert, gejohlt und gekreischt, als Robin Wright als Amazonin auf dem Pferd gekämpft hat, was in Hollywood sonst nur den männlichen Helden erlaubt wurde. Nach diesen starken Frauen hat das Publikum gedürstet. Dieses Frauenbild hätte es früher nie gegeben.

nordbuzz: Sie spielten ja schon in den 90er-Jahren starke weibliche Charaktere, wenn auch keine Heldinnen.

Ferres: Stimmt, das waren bei mir schon immer sehr selbstbestimmte Frauenfiguren. Beiwerk waren meine Rollen eigentlich nie so richtig. In den 90er-Jahren hatte ich damit die großen Komödienerfolge - Bernd Eichinger nannte mich damals immer "meine Moneymaking-Maschine". Dann folgten im neuen Jahrtausend große dramatische Frauenrollen, "Die Frau vom Checkpoint Charlie" etwa. Seit ein paar Jahren hab ich nun das große Glück, internationale und deutsche Produktionen, Thriller und Komödie, Kino und TV mixen zu können. Letztes Jahr hatte ich acht Filmprojekte, da war alles dabei!

nordbuzz: In "Liebe auf den ersten Trick" spielen Sie nun erstmals an der Seite von Dieter Hallervorden. Wie kam das zustande?

Ferres: Wir lernten uns bei der Premiere zu "Honig im Kopf" kennen - ich kam auf ihn zu, er kam auf mich zu; und wir stellten fest: Wir sind gegenseitig unsere größten Fans! Und haben beschlossen, dass wir mal einen Film zusammen machen müssen. Später kam dann die UFA, Nico Hofmann und Joachim Kosack, auf mich zu und fragte, was ich denn gern mal spielen würde. Und ich sagte: "Mit dem Hallervorden!" Dann haben wir auch recht schnell mit dem Dreh in Südafrika begonnen.

nordbuzz: Dort drehten Sie bereits mehrfach. Was verbinden Sie mit dem Land?

Ferres: Insgesamt war ich schon zwölf Monate in Südafrika, nur zum Drehen. Das Land ist sehr vielfältig, die Natur unfassbar schön, die Leute sind sehr offenherzig. Aber man kann ein Land nicht nur mit der Weinstraße, tollen Stränden und der Garden Route beschreiben, sondern muss auch die Probleme sehen. Deshalb habe ich im schlimmsten Township von Kapstadt den Bau eines Safe House für sexuell bedrängte Frauen und Kinder initiiert. Auch in der Aids-Aufklärung engagiere ich mich. In einem Land, dass ich so intensiv kennenlernen durfte, habe ich dafür schon fast eine Verpflichtung gespürt.

Von Maximilian Haase

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